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Strafrecht | 19.09.2014

Cannabis-Nichts

Lehrerin wegen Besitz von weniger als 0,01 Gramm Cannabis zu 700 Euro Geldstrafe verurteilt

Wegen nur 0,01 Gramm Marihuana – und wahrscheinlich war es noch viel weniger – ist eine Lehrerin vom Amtsgericht Hersbruck zu einer Geldstrafe in Höhe von 700,- Euro verurteilt worden. Das berichtet nordbayern.de. Eine Stunde lang beschäftigten sich eine Richterin, eine Staatsanwältin und ein Verteidiger mit dem Drogenbesitz der Lehrerin, der höchstens ein hundertstel Gramm betrug.

Eigentlich hatte die Polizei die Lehrerin nur angehalten, weil sie mit 120 km/h bei strömenden Regen mit ihrem Auto auf dem Weg zum Unterricht war. Zuvor hatte sie eine Zivilstreife auf einer kurvenreichen Strecke überholt und noch einen verdächtigen Lenkschlenker gemacht.

Glasige Augen

Weil die Lehrerin bei der Kontrolle sehr aufgeregt war und statt des Führerscheins den Beamten ihren Personalausweis gab, schauten die Polizisten etwas genauer hin. Dabei fielen ihnen die glasigen Augen der Lehrerin auf und sie nahmen die Frau mit zur Wache.

Sie gab an, zwei Tage zuvor einen Joint geraucht zu haben. Im Urin wurde THC festgestellt und in der Handtasche der Lehrerin fanden die Beamten ein Papier mit dem „Marihuana-Nichts“, wie nordbayern.de schreibt.

Ein Hauch von Nichts

Die Menge war so gering, dass die Polizei nicht einmal feststellen konnte, wie viel es denn nun genau war. Es waren nur Reste. „Wir haben uns aufgrund der Messungenauigkeit darauf geeinigt, solche Mengen mit 0,01 Gramm anzugeben. Es hätten aber auch 0,001 Gramm sein können“, zitiert nordbayern.de die Beamten.

Freimenge

In Deutschland gibt es je nach Bundesland unterschiedliche Freimengen. Besitzt jemand nur eine geringe Menge von Cannabis, darf dies nicht zur Strafbarkeit führen. Denn nur der Besitz einer großen Menge kann zu einer Gefährdung der Allgemeinheit führen und daher den Eingriff in die Freiheit einer Person (Art. 2 Abs. 2 GG) rechtfertigen (Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 09.04.1994, Az. 2 BvL 43/92; 2 BvL 51/92; 2 BvL 63/92; 2 BvL 64/92; 2 BvL 70/92; 2 BvL 80/92; 2 BvR 2031/92). In Bayern sind eigentlich bis zu 6 Gramm Cannabis „erlaubt“, was genau genommen bedeutet, dass von einer Strafverfolgung abgesehen wird (vgl. Ab welcher Menge ist der Besitz von Cannabis strafbar?).

Unter Drogeneinfluss zum Unterricht

Die zuständige Staatsanwältin stellte zwar fest, dass das Gesetz die Möglichkeit der Einstellung des Verfahrens vorsähe. Hier dürfe die Sache aber nicht eingestellt werden, weil ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bestehe. „Die Frau war auffällig, das Auto machte einen Schlenker, sie war auf dem Weg zum Unterricht und stand – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – unter Drogen“, zitiert nordbayern.de die Staatsanwältin.

Richterin will Nachahmung durch Schüler vorbeugen

Die zuständige Richterin Grammel folgte der Auffassung der Staatsanwältin und bestätigte den Strafbefehl über 700,- Euro. Den Schülern dürfe nicht das falsche Bild vermittelt werden, dass ein paar Gramm Gras nicht so schlimm seien und man damit schon durchkomme. „Mag sein, dass in Hamburg großzügiger mit Einstellungen verfahren wird. Wir sind hier in Bayern“, zitiert nordbayern.de die Richterin.

Siehe zu den Freimengen bei Cannabis:

Ab welcher Menge ist der Besitz von Cannabis strafbar?

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Kommentare (5)

 
 
Leo schrieb am 21.06.2017

.... vor zwei Tagen einen Joint? Dann stand sie ja nicht unter Drogeneinfluss.

Ralf schrieb am 27.09.2014

Was passiert eigentlich bei Lehrern die unter Restalkohol vom Vorabend stehen? Da dürfte den Schülern auch nicht das falsche Bild vermittelt werden, das eine Flasche z.Bs. Rotwein aus dem Supermarkt (neben der Schule) auch nicht so schlimm sei. :-(

Sayajin Jez antwortete am 25.06.2017

Ist halt echt so :D ich persöhnlich habe mit dem Zeug ja nix am Hut aber ich sag trotzdem #Legalizeit

Jürgen Kastrau schrieb am 23.09.2014

Es ist immer wieder erheiternd solche Urteile zu lesen. U-Bahn Totschläger bekommen Strafen auf Bewährung, Funktionäre von Fußballvereinen eine Sonderbehandlung der bayrischen Art und die Lehrerin die Härte des Gesetzes zu spüren. Bananenrepublik Deutschland !

peter lunau schrieb am 23.09.2014

die bayrische inquisition hat festgestellt...die frau habe einen schlenker gemacht...ja um himmels willen...einen schlenker...

ist sie noct in irer spur geblieben...?schlenker können ganz normale ursachen haben daraus läßt sich kein verdacht begründen.

die restspuren im urin..beweisen keinen betäubungszustand,es sei denn es handele sich nicht um spuren also abbaureste sondern um erhebliche mengen des wirkstoffes ,so dass eine ärztliche untersuchung den sachverhalt klären müsste. und dann und nur dann ist berechtigter weise von betaübung zu sprechen und nicht nach mutmassungen einiger diensteifrieger

beamten und staatsanwälte.hier in der brd geht die beweislast immer noch zu lasten der anklager und zu recht.daher wären hinreichend haltbare beweise für ein strafverfahren zwingend notwendig.in bayern wo es ja bekanntlich allerlei rechtliche besonderheiten de legalen und illegalen art gibt ,ist so eine art

nicht okterberfestbierberauschung gerade zu gesellschaftsschädigend....selbst wenn es sich am vortag zugetragen hat.und glasige augen....manche laufen den ganzen tag mit glasaugen herum...muss es immer was zur freude geben..ist freude doch ein götterfunken und selbst die sparen sich was bei monotheistischer bevorzugung.

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